DeutschVerlagKonzerteCDs, Partituren, AGBsKontaktLinks / ReferenzenEnglish

CDs anderer Verlage

 
Bild vergrössern


schlechte – piano solo
1. land 4 uhr / 2. 1 ½ / 3. 4 / 4. 5 / 5. 5 1 ½ / 6. ½ + / 7. schnur / 8. draht / 9. holz

 


Marit Schlechte – Klavier solo
a
ufgenommen von Arne Junker im Uwarton Studio, Stuttgart, am 3. Juli 2004

NURNICHTNUR records
Gesamtdauer: 39:43

Bestellnummer: BERSLTON 105 01 22
Verkaufspreis: € 15,40

 


Auf der bei NURNICHTNUR veröffentlichten Debüt-Solo-CD versammelt die Pianistin Marit Schlechte insgesamt neun Titel: sechs Kompositionen, gespielt auf den Tasten des Instruments, welche durch drei Kompositionen ergänzt werden, die ausschließlich den Innenflügel bedienen.

Jedes Stück dieser stark konzeptuell geprägten Musik stellt eine nach außen hin abgeschlossene aber in sich bewegte Klangfläche dar, welche, wie in "land 4 uhr", einem monochromen, mit Gräsern und allerlei Erdkrümeln durchsetzten Gemälde nacheifern, das der Betrachter auf einen Blick als Ganzes erfassen kann, aber mit seinem kennerischen und liebevollen Auge nach und nach alle Fasern der verklebten Pflanzenreste verfolgt, ihre aus der Farbmasse auftauchenden Strukturen zu immer neuen Bildern zusammensetzt, und ihre Oberfläche mit fühlenden und zärtlichen Händen ertastet. Es ist eine Spielen auf der Kippe. Das Ausgangsmaterial bilden kleine Tonmotive und Intervalle, deren Gebrauch und Wiederholung bewusst kontrolliert wird. Repetitionen werden in dem Moment verändet sobald sie sich manifestieren wollen, ein Balancieren zwischen losgelassener Motorik und Konstruktion.

 

Presse und Kritiken:

„Die deutsche Pianistin Marit Schlechte, die Berlin derzeit zu ihrem Lebensmittelpunkt auser­koren hat, belegt mit ihrer Solo­-CD ihre eigenwillig formulierte Ästhetik Improvisierter Musik oder Momentmusik, wie sie es beschreibt. Schlechte reflektiert in ihren zeitlich kompakten Klangstücken Anregungen avan­cierter Jazzspielweisen und ex­perimenteller Neuer Musik, was sie in struktureller Feinsinnig­keit auslebt. Dabei entwickelt sich eine Ereignishaftigkeit die Ausgänge offen lässt, sich in entscheidenden Momenten zurückzieht, für kurze Momente in der Stille verharrt - und doch plötzlich wieder vorwärts strebt und wild herausfährt. Und Schlechte versteht wirklich zu überraschen, da sie mit spie­lerischer Energie, Lebhaftigkeit und Fantasie bewährte Typo­logien und stereotype Muster versetzt. Einem ausgeprägten Gespür für Differenziertheit und punktgenauer Konzentration folgend, spielt die Pianistin die diversen Klangzustände aus, dringt in sie ein, lässt Risse entstehen, leitet über zu sich verdichtender Beschaffenheit. All das geschieht mit luftiger Transparenz, elastischer Moto­rik und dem Willen nach Erkun­dung neuen Terrains. An den Tasten forsche Aggregatzustän­de evozierend, wie im Innen­raum des Klaviers, in filigrane Liniengewebe und unerhörte Flächigkeiten eintauchend. Schlechtes Piano-Solo strotzt nur so vor guten Seiten. Die Improvisierte Musik lebt und wird dank solcher Persönlich­keiten mit frischem Lebensgeist aufgekratzt.“

Hannes Schweiger, „freistil – Magazin für Musik und Umgebung“ , Juni 2005

 

Mit piano solo macht BA erstmals Bekanntschaft mit der Pianistin MARIT SCHLECHTE (*1970), die nach einigen Stuttgarter Jahren, in denen sie neben ihrem Rhythmikstudium das Ensemble Unterton gegründet und Konzertreihen organisiert hatte, jetzt wieder in Berlin lebt. Ihr pianistischer und bruitistisch neugieriger Ansatz machte sie u.a. anschlussfähig an Leute wie Baltschun, Bosetti, Doneda, Heenan oder Günter Heinz. Auf ihrem Solodebut zeigt Schlechte jedoch keine diskreten Facetten, vielmehr einen konzeptionell explorativen Ansatz. Passagen, die immer wieder repetitiv stagnieren, vexieren zwischen hartnäckiger Detailversessenheit und komplexer Mathematik (‚land 4 uhr‘), einer nahezu Nancarrow‘schen Motorik (‚4‘) und pointillistischer Aleatorik (‚5‘).
Sechsfach wird eine Klangidee minutiös ausgelotet, wobei für ‚5 1/2‘ 36 Sekunden ausreichen, während bei ‚1 1/2‘ und ‚1/2 +‘ mit ihren aushallenden Anschlägen auch die Zeit mit gedehnt wird. Auf die aus den Tasten gepochten Klangkonstrukte lässt Schlechte drei je gut dreiminütige Arbeiten im Innenklavier folgen, die ihren Clou jeweils schon im Titel verraten - ‚schnur‘, ‚draht‘, ‚holz‘. Chromatisches Schimmern, spieluhrartig pingende Arpeggios und knarrende, geschabte Stahlsaitenvibrationen verraten Schlechtes geradezu Lachenmann‘sche Freude an bruitistischen Materialeffekten. Das Ausgedachte an diesen Etüden rückt in den Hintergrund sobald die Töne erklingen, die ebenso stark tachistischen Impulsen zu folgen scheinen wie einem Schema und die Zeit anders zerhacken und sprunghaftere Wendungen im Raum nehmen, als man vermuten möchte.

Rigobert Dittmann, Bad Alchemy 49

 

Marit Schlechte ist Komponistin - - - und Improvisationsmusikerin, was sich auch in ihren Klavierwerken widerspiegelt, in der Elemente der Jazzimprovisation mit Neuer Musik zusammengeführt werden. Rigobert Dittmann fühlte sich bei dieser »hartnäckigen Detailversessenheit« in seiner Bad Alchemy-Rezension an Nancarrow erinnert, ebenso könnte auch noch Cecil Taylor als Referenz genannt werden: Marit Schlechtes Besonderheit ist die der permanenten Überraschung. Lyrische Momente und kurze Pausen wechseln ab mit bruitistisch ratternden Passagen, während derer das Klavier mit futuristischem Furor bearbeitet wird. Jegliche Sentimentalität ist dieser manchmal geradezu maschinenhaften Musik fremd, doch Kälte wäre zugleich der unpassendste Ausdruck, um zu beschreiben, wie präzise Schlechte ihre kurz angespielten Motive repetitiv weiterentwickelt und mit stets nur leichten Nuancen variiert. Eine außergewöhnliche, geradezu manische Veröffentlichung, die es eventuell deshalb schwer haben wird, weil sie sich nicht wirklich ins Jazz-Regal, aber auch nicht zur Neuen Musik einordnen lässt.

Testcard 16

 

Pianist Marit Schlechte, currently based in Berlin, studied composition with Berthold Tuercke and Friedrich Goldmann before assuming an important role in the new music scene in Stuttgart, where she founded the ensemble Unterton and organized various events and concerts, as well as performing with the likes of Boris Baltschun, Alessandro Bosetti, Alfredo Costa Monteiro and Michel Doneda. The nine tracks on her debut album, the last three short inside piano explorations, are fine examples of what the NNN press release describes as "short motives and intervals [..] repeated consciously – repetitions are altered just in the moments when they start manifesting themselves". The "regular" improvisations often start from tenuous if obstinate repetition of one or two notes, setting out towards a destination we lose soon sight of as the addition of more tones complicates matters and provokes unpredictable harmonic shifts. What begins as a series of innocent droplets is soon transformed into a squall of dissonant minimalism, impenetrable in its sombre asymmetry yet demonstrating a rare flair for instant composition. A case in point is the chordal-cluster resonance study "1 1/2", which confounds the laws of expectation and resolution and leaves grey shades and metallic ambiences to fight for our attention. The bowed strings and overacute multiplications of the closing inside piano miniatures indicate there's much to look forward to from Schlechte in future.

Massimo Ricci, Paris Transatlantic, March 2006

zurück

© by oaksmus